Der Zwanghuf

Was ist ein Zwanghuf? Wie entsteht er und wie kann ich seine Entstehung vorbeugen? Wie kann der Pferdebesitzer durch begleitende Massnahmen seinem Pferd helfen?

 

Definition Zwanghuf:
Ein Zwanghuf liegt immer dann vor, wenn der Strahlkörper durch die umliegenden Hornanteile, also die Trachtenwände, massiv unter Druck gerät. Der Strahl und auch die darunter liegenden Strukturen wie Strahllederhaut und Teile des Strahlkissens werden dabei wie in einem Schraubstock komprimiert. Die Strahlfurchen sind meist sehr tief und schmal, die mittlere Strahlfurche ist oft nur noch als schmaler Schlitz zu erkennen.

Zwanghufe sind das Ergebnis einer nicht gleichmäßigen Lastverteilung zwischen Zehenbereich und Trachtenbereich. Ist die Zehenwand (Wandhorn im vorderen Bereich des Hufes) zu lang und/oder zu schräg zum Boden und zur Fessel ausgerichtet, kann sie die auf sie einwirkende Last nicht optimal aufnehmen. Die eingeschränkte Lastaufnahme im Zehenbereich muss durch den Trachtenbereich kompensiert werden, der dadurch dauerhaft überfordert ist.
Im weiteren Verlauf führt dies zu sogenannten „eingerollten Trachten“. Dies bedeutet, dass sich die Trachtenwände immer weiter aufeinander zu bewegen und dem Strahl immer weniger Raum belassen. Dieser Effekt ist sehr gut zu beobachten, wenn man den Huf vom Ballenbereich aus betrachtet (siehe Bildvergleich 2). Umso mehr Wandhorn aus dieser Ansicht zu sehen ist, desto weiter ist der Krankheitsverlauf bereits fortgeschritten. Besonders oft tritt diese Fehlstellung bei recht steil ausgerichteten Seitenwänden auf.

Die Folgen für den Huf sind meist dramatisch. Die sehr engen, tiefen Strahlfurchen bieten ein ideales Milieu für fäulniserregende Bakterien, da diese unter anaeroben Bedingungen besonders gut gedeihen. Die mittlere Strahlfurche ist oft am schwersten betroffen. Die eigentlich schräg zueinander stehenden Lederhautanteile werden regelrecht gegeneinander gedrückt, was zur Folge hat, dass das von den Lederhäuten produzierte Horn in der mittleren Strahlfurche verbleibt. Zusammen mit den bereits angesprochenen Fäulnisbakterien entsteht so ein pastöses, feuchtes Gemisch, welches die betroffenen Lederhautanteile nachhaltig negativ beeinflussen kann. Im Endstadium kommt es zu einer Resistenzüberschreitung der Lederhäute was dann auch zu Hufkrebs führen kann.

Strahlfäule und auch Hufkrebs werden also durch einen Zwanghuf deutlichst begünstigt. Ursächlich für einen Zwanghuf ist aber immer die unphysiologische Hufsituation, die zur Überlastung des Trachtenbereiches führt und dadurch auch die degenerativen Prozesse am Strahl auslöst.

Was kann der Pferdebesitzer nun tun um einen Zwanghuf erst gar nicht entstehen zu lassen?
Viele Zwanghufe werden durch das Beschlagen der Hufe ausgelöst. Auch am beschlagenen Huf findet an den Schenkelenden des Eisens durch die Eigenbewegung des Hufes immer ein gewisser Hornabrieb statt. Da der Zehenbereich abriebsfrei ist, wird der Huf sukzessive immer trachtenlastiger, was zu der beschriebenen Überlastung des Trachtenbereiches führt. Auf Bild 3 sehen sie deutlich die Abriebsspuren, die der Huf auf dem Eisen hinterlassen hat. Verzichten Sie also möglichst auf einen Beschlag und lassen Sie ihr Pferd barhuf laufen.

Dennoch gibt es auch Barhufpferde, die unter einem oder mehreren Zwanghufen leiden. Meist ist dies das Resultat unterlassener oder falscher Hufbearbeitung.
Lassen Sie ihr Pferd huforthopädisch betreuen. Nur durch die Herstellung einer gleichmäßigen Lastaufnahme des Hufes kann dieser seine ursprüngliche Form wiedererlangen. Als begleitende Maßnahme sind eine einwandfreie Stall- und Hufhygiene unerlässlich.

Was der Pferdebesitzer noch für eine schnelle Verbesserung der Situation tun kann ist am effektivsten und individuellsten bei einer persönlichen Beratung zu besprechen. Hier kann auf jeden Huf einzeln eingegangen werden und die passenden Massnahmen erörtert werden.

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