Risse und Spalten

Zu den auffälligsten Symptomen krankhaft veränderter Hufe gehören sicherlich Risse und Spalten in der Hufwand. Auch wenn die Anzeichen die letztendlich zur Rissbildung führen, meist schon sehr früh sichtbar sind, wird dieses Krankheitsbild oft erst dann erkannt, wenn der Krankheitsverlauf sein finales Stadium erreicht hat, also der Riss bereits entstanden ist. 

Doch wie entstehen Risse überhaupt? Hat man davon Kenntnis, kann man bereits früh die verhängnisvollen Abläufe stoppen und die Entstehung von Rissen verhindern.

Risse gibt es in vielerlei Varianten und Lokalisationen zu beobachten. Klar ausgrenzen möchte ich hier Risse, die parallel zum Boden bzw. parallel zum Kronrand verlaufen. Diese haben mit einem „klassischen“ Riss nichts gemein und werden bei dem Thema Hufgeschwüre thematisiert. 
Auch beim Thema Risse und Spalten kommt man nicht umhin, einen kurzen Ausflug in die Hufanatomie zu machen. Die Hufwand, bestehend aus dem sogenannten Wandhorn, ist keineswegs eine homogene Hornmasse, sondern besteht vielmehr aus vielen kleinen Hornröhrchen, die der Hornwand die Stabilität geben und sie so leistungsfähig macht. Diese Hornröhrchen werden zusammengehalten durch das sogenannte Zwischenröhrchenhorn.

Wie bereits in den Artikeln zu asymmetrischen Hufen erwähnt, führt eine ungleichmäßige Nutzung oder Lasteinwirkung zu einem ungleichmäßigem Hornabrieb. Diese Prozesse führen zu teilweise recht massiven Spannungen in der Hornkapsel. Auch eine nicht gleichmäßige Lastverteilung zwischen Trachten und Zehenbereich lässt Spannungen entstehen. Je nach vorliegender Situation entstehen so Risse entweder im Zehenbereich oder in der Seitenwand. 
Das oben erwähnte Zwischenröhrchenhorn kann den Zerreißungskräften, die durch diese Spannungen auftreten nicht mehr standhalten und die einzelnen Hornröhrchen driften auseinander, der Riss entsteht. 
Risse verlaufen also in den allermeisten Fällen röhrchenparallel, also an den Grenzen der erwähnten Grundbausteinen der Hornwand.

Ist der Riss erstmal da, führt der entstandene Defekt dazu, dass sich Bakterien in den betroffenen Bereichen ansiedeln. Dies verstärkt die Rissbildung zusätzlich, da die angrenzenden Wandanteile (bzw. die dahinterliegenden Strukturen) durch die Zersetzungsprozesse der Bakterien zusätzlich geschwächt und instabiler werden, was die Spannung auf den Rissbereich weiter erhöht.

Die Konfrontation mit einem Beschlag erhöht ebenfalls die Spannung im Wandhorn. Der durch den Beschlag verhinderte Abrieb führt zu immer länger (und schräger) werdenden Hornwänden. Die daraus resultierenden Hebelkräfte nehmen dadurch sukzessive zu und erhöhen so die Zerreissungskräfte innerhalb der Hornkapsel.

Der exakte Verlauf der zur Entstehung von Rissen führt ist dennoch sehr vielfältig und es tragen auch noch einige weitere Faktoren zu ihrer Entstehung bei. Eine genaue Analyse und Diagnose sollte daher nur nach dem Vorliegen von Fotos oder am besten direkt am Pferd gestellt werden.

Risse und Spalten wird u.a. ein Thema unseres nächsten Hufseminars sein. Dort wird auf die Problematik mit zusätzlichen Bildern intensiv eingegangen. Die Haltung und der Umgang mit dem Pferd bzw. mit dessen Hufen durch den Pferdebesitzer hat ebenfalls einen sehr großen Einfluss auf die Hufgesundheit im Allgemeinen und natürlich auch auf die Entstehung von Rissen. Hilfe und Tipps dazu werden ebenfalls im Hufseminar thematisiert.

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