Wie entstehen Asymmetrien am Huf?

Betrachtet man sich die Hufe seines Pferdes etwas genauer, so muss in sehr vielen Fällen erkannt werden, dass die Hufe alles andere als symmetrisch sind.

Hebt man den Huf auf und betrachtet ihn von unten, wird dieses Symptom am offensichtlichsten. Wenn man den Strahl als mittige Trennlinie betrachtet kann man die unterschiedlich groß ausgeprägten Hufhälften meist gut erkennen.
Doch auch wenn man den Huf von vorne genau begutachtet, sind die unterschiedlichen Hufhälften ersichtlich. Hier sind es die Seitenwände des Hufes, die in nicht gleichmäßigen Winkeln zum Boden stehen (Siehe Bild 1 unten). Bild 2 zeigt den Huf nach ca. 4 Monaten.

Wie aber entstehen nun diese Unregelmäßigkeiten und warum sind diese überhaupt so schädlich für das ganze Pferd?

Auch hier ist wieder ein kleiner Exkurs in die Anatomie des Pferdehufes nötig, um die Zusammenhänge verstehen zu können. Es sind die sogenannten "Lederhäute" des Hufes, die die verschiedenen Horne des Hufes produzieren. Acht Lederhäute gibt es am Huf, wobei ich mich hier nun auf die Kronlederhaut und die von ihr gebildeten Hornwände (also auch die Seitenwände) beschränken will. Die Thematik der Lederhäute wird leider sehr oft simplifiziert und so wird meist nur von "der Lederhaut“ gesprochen.
Die Kronlederhaut läuft ringförmig um den Huf und zwar am Übergang des Hufes zum felligen Anteil des Pferdebeines, also am Kronrand. Sie bildet das Wandhorn, also der von vorne und seitlich sichtbare Teil des Hufes. Wichtig zu wissen ist nun, das diese Lederhaut auf ihrer ganzen Fläche weitestgehend (je nach Reizeinwirkung) dieselbe Menge Horn abgibt. Ein Pferd, dass seine Hufe gleichmäßig benutzt, wird sich auch diese Hornmenge gleichmäßig abreiben und der Huf bleibt in der Symmetrie. Tut es das aber nicht, also nutzt das Pferd z.B. eine Hufhälfte mehr als die andere, ist auch der Hornabrieb ungleichmäßig. Eine gleichmäßige Hornproduktion steht also einem ungleichmäßigem Abrieb gegenüber.
Die Kronlederhaut kann diese ungünstige Hufbenutzung nicht ausgleichen und so kommt es in manchen Wandanteilen zu einem Hornüberschuss. Die Wandanteile, die von diesem Hornüberschuss betroffen sind, neigen dazu, sich vom Hufmittelpunkt zu entfernen. Das Zuviel an Horn sucht sich Raum, tendiert also weg vom Huf. Die Wandanteile, die sich mehr abreiben, zeigen diese Tendenz jedoch nicht. Der unterschiedliche Abrieb der Seitenwände lässt also die Asymmetrien entstehen.

Der Huforthopäde kann nun diese ungünstige Hufbenutzung beeinflussen und auch ausgleichen. Konkret nennt sich dies "Abriebsteuerung". Durch sie kann der unterschiedliche Abrieb gestoppt werden und in vielen Fällen können die Asymmetrien  auch zurückgeführt werden. Neben den unterschiedlich gewinkelten Seitenwänden gibt es natürlich noch viele weitere Erkennungsmerkmale für asymmetrische Hufe. Was bei Ihrem Pferd konkret vorliegt, sollte aber bei einem Beratungsgespräch geklärt werden. Die weitreichenden negativen Folgen vorliegender Asymmetrien werden im nächsten Artikel behandelt. Die Veröffentlichung erfolgt in den nächsten 4-6 Wochen.

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