Zu flacher Huf

Grundsätzlich sollte die Form und Ausrichtung der Hornkapsel so beschaffen sein, dass die durch das Pferdegewicht einwirkende Kraft optimal durch den Huf aufgenommen werden kann. Der Winkel der einwirkenden Kraft wird durch die Ausrichtung der Fessel bestimmt, d.h die Winkelung des Hufes sollte der Winkelung der Fessel entsprechen.

Im obigen Fallbeispiel sieht man in der Ausgangssituation, dass der Huf im Verhältnis zur Fessel deutlich zu flach steht. Durch die nicht kräfteparallele Ausrichtung kommt es zu einem Missverhältnis der Lastaufnahme zwischen Zehen- und Trachtenbereich des Hufes.
D.h. umso länger und flacher die Zehenwand ist, desto weniger Last kann sie aufnehmen. In der Folge kommt es zur vermehrten Lastaufnahme im Trachtenbereich, was weitere Probleme, wie zum Beispiel einen Zwanghuf und unterschiebende Trachten nach sich ziehen kann. Des weiteren fällt es dem Pferd deutlich schwerer, einen derart geformten Huf zu benutzen, da die lange und flache Zehe das Abfußen deutlich erschwert. Die lange Hornstrecke an der Zehe führt zu einer enormen Hebelwirkung, die es zu überwinden gilt. Eine Analogie wäre ein Mensch mit Schuhgröße 38, der mit Schuhen der Größe 44 laufen muss. Keine sehr angenehme Vorstellung.

Eine weitere Folgeerkrankung, die durch den mächtigen Hebel der zu flachen Zehe entsteht, ist eine Verbreiterung des Hufbeinträgers (umgangssprachlich weiße Linie). Der Hufbeinträger, der die Verbindung der Zehenwand zu den dahinter liegenden Strukturen gewährleistet, wird durch die Hebelkraft der Zehe mechanisch in die Breite gezogen. Geschwürauslösende Bakterien finden in diesem Bereich ideale Bedingungen um sich anzusiedeln und sich zu vermehren. Die krankhafte Veränderung des Hufbeinträgers forciert dann ihrerseits die weitere Verschlechterung der Hufsituation.

Das rechte Bild im Fallbeispiel ist sieben Monate später entstanden. Auch wenn die Huf-Fessel-Achse noch nicht zu 100% ausgerichtet ist, so hat sich die Situation doch deutlichst verbessert. Der vormals in die länge gezogene, flache Huf ist nun fast optimal zur Fessel ausgerichtet. Damit einhergehend hat sich die Trachte aufgerichtet, was belegt, dass sich die Lastverteilung normalisiert hat. Die Zehe ist nun wieder in der Lage, die einwirkende Last aufzunehmen, was den Trachtenbereich entlastet.

Um eine solche Verbesserung der Situation zu erreichen, sind huforthopädische Bearbeitungsschritte nötig, die auch eine ungünstig zum Boden ausgerichtete Zehe wieder tragfähig machen, ohne diese radikal zu entfernen oder sie mittels zurückgesetztem Eisen aus der Last zu nehmen. Auch wenn diese vielleicht eine kurze optische Verbesserung der Situation suggerieren, sind sie jedoch langfristig keinesfalls geeignet, eine nachhaltige Gesundung des Hufes zu erlangen.
Die Huforthopädie ermöglicht eine schonende, kontinuierliche Rehabilitierung der Hufe, ohne Zwangsumstellungen oder andere Sehnen und Bänder strapazierenden Eingriffe.

Für eine ausführliche Hufbefundung der Hufe Ihres Pferdes ist eine Befundung vor Ort natürlich unerlässlich.

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