Erfolgreiche Barhufumstellung

Die Umstellung auf barhuf ist in jedem Pferdealter möglich, wenn in der Umstellungsphase bestimmte Faktoren beachtet werden.

Mein Pferd kann nicht barhuf laufen.....
ist eine häufige Aussage von Pferdebesitzern. Leider genügt es nicht, die Eisen zu entfernen und das Pferd wie gewohnt weiter zu nutzen. In einigen Fällen ist dies möglich, jedoch nicht selbstverständlich.

Was muss man über die  Umstellungsphase auf barhuf wissen und berücksichtigen damit sie erfolgreich gelingt?
Beschlagene Hufe bilden minderwertiges Horn aufgrund fehlender Reize an die Lederhäute. Die Durchblutung der hornproduzierenden Lederhäute ist wegen der massiv herabgesetzten bzw. ausgeschalteten Hufmechanik gestört. Wird das Eisen abgenommen, kommt wieder Bewegung in die Hornkapsel, und der Huf darf wieder seine ursprünglichen Aufgaben erfüllen. Er kann dann zur Dämpfung beitragen und Unebenheiten des Bodens ausgleichen. Bis dies wieder ganz normal möglich ist,  wird das Pferd meistens seine Hufe erst einmal  vorsichtig benutzen und ist eventuell auch zu schonen.  Oftmals wird dieses Verhalten  als „Fühligkeit“ bezeichnet. Dabei wird jedoch nicht beachtet, daß der Huf auch als Tastorgan fungiert. Mit Eisen ist der Tastsinn ausgeschaltet, weshalb sich das Pferd mit Einsetzen der Beweglichkeit wieder an das „Tasten“ gewöhnen muss.

Außerdem können je nach Hufzustand die von den Nägeln zerstörten Hufwände wegbrechen und damit zeitweise ihre Aufgabe als Trageorgan nicht übernehmen. Um dem Pferd den Genuss des Barhuflaufens zu ermöglichen, müssen in der Umstellungsphase  für ein erfolgreiches Gelingen einige Aspekte beachtet werden.

Erfolgreiche Barhufumstellung
Eine Umstellung auf barhuf ist für das Pferd und den Besitzer immer mit Änderungen verbunden. Je nach Ausgangssituation hat das Pferd damit mehr oder weniger Probleme. Oftmals sind die Hufe durch die Eisen in einem  sehr schlechten  Zustand, wodurch ein erhöhter Zeitbedarf besteht, um die Hufe wieder zu rehabilitieren. In der Reha-Phase (bzw. nach dem die Eisen entfernt wurden) ist es daher unumgänglich den Hufen besondere Beachtung zu schenken.

Auch die Untergründe spielen eine maßgebliche Rolle, ebenso die Nutzung des Pferdes, die durchaus für eine gewisse Zeit eingeschränkt sein kann. Der Huforthopäde wird dem Pferd die Umstellung so leicht wie möglich gestalten und dem Besitzer beratend zur Seite stehen. Eine gute Kooperation und Kommunikation zwischen Pferdebesitzer und Huforthopäde ist in dieser Zeit besonders wichtig. Am Anfang sind eventuell kürzere Bearbeitungsintervalle notwendig, da der Huf in dieser wichtigen Umstellungsphase eine bestmögliche Betreuung benötigt. Gerade am Beginn der Umstellung sind Ausbrüche durch die Nagellochperforierung der Hornwände recht massiv,  was das Pferd zwingen kann, die Sohle zum Tragen mit zu benutzen, bis stabileres Tragrandhorn nachgewachsen ist. Die Sohle ist eigentlich nicht zum Tragen geeignet, kann allerdings für eine Zeit diese Funktion mitübernehmen, wenn darauf Rücksicht genommen und das Pferd geschont wird. Mit fortlaufender Zeit wird der nachwachsende Huf  immer stabiler, wieder tragfähig und mögliche Anfangsprobleme verschwinden bald.
Eine Barhufumstellung kann in jedem Alter durchgeführt werden. Gerade ältere Pferde profitieren davon, wenn z.B. Probleme mit Arthrose vorliegen, da der Huf seine Dämpfungstätigkeit wieder aufnehmen kann und somit die Gelenke geschont werden.

„Dieses Pferd wird nie barhuf laufen können..“
Diese meist von Tierärzten und Schmieden geäußerte Aussage wurde schon oft durch huforthopädische Arbeit widerlegt.
Die Erfahrung zeigt, dass gerade für diese als hoffnunglos erachteten Pferde die Barhufumstellung der einzig gangbare Weg ist, um die Hufe zu rehabilitieren. Oftmals sind gerade diese Pferde nach erfolgreicher Barhufumstellung dauerhaft unbeschlagen unterwegs. Letztendlich ist die Barhufumstellung alternativlos, um den durch die Eisen deformierten Huf langfristig in einen physiologischen, leistungsfähigen Zustand zu bringen und zu halten.

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