Die Folgen asymmetrischer Hufe

Die Entstehung asymmetrischer Hufe wurde im vorhergehenden Artikel erläutert. Die Folgen dieser Asymmetrien sind nicht zu unterschätzen und haben Folgen für die ganze Gliedmaße und letztendlich so auch für den gesamten Bewegungsapparat.


Im Gegensatz zu asymmetrischen Hufen sind die daraus resultierenden Folgen nicht direkt zu erkennen. Durch den Umstand, dass diese Prozesse meist über einen sehr langen Zeitraum (mehrere Jahre) ablaufen, bleiben sie meist unentdeckt oder es wird Ihnen schlicht keine Beachtung geschenkt.

Am Bespiel eines Röntgenbildes lassen sich die Konsequenzen eines asymmetrischen Hufes am besten veranschaulichen.

Der abgebildete linke Vorderhuf zeigt deutliche Asymmetrien. Die innere Seitenwand steht deutlich steiler zum Boden als die äußere schrägere Seitenwand. Die Tendenz der äußeren Hufhälfte nach außen ist sehr stark ausgeprägt und zeigt sich auch an der Rissbildung in der Zehenmitte. Selbst an den Begrenzungen des massiven Risses zeigt sich die unterschiedliche Dynamik der inneren und der äußeren Hufhälfte. Die äußere Risskante steht deutlich schräger zum Boden als die innere, die fast senkrecht verläuft. 
Die schräg zum Boden stehende äußere Seitenwand tendiert weg vom Hufmittelpunkt und erzeugt dadurch so starke Zugkräfte, dass die dahinter liegenden Strukturen massiv beeinflusst werden. Ein bildlicher Vergleich beim Mensch wäre ein zu langer Fingernagel, der ständig nach hinten gebogen wird.

Das Röntgenbild zeigt eine Oxspring Aufnahme des abgebildeten Hufes. Deutlich ist zu sehen, wie sich der unterste Knochen der Gliedmaße, das Hufbein, der Hufsituation angepasst hat. Die äußere Hälfte des Hufbeines ist deutlich größer und flächiger als die innere Hälfte. Dieser über Jahre ablaufende Umbauprozess nennt sich Knochenbiomorphose und zeigt eindrucksvoll, dass auch die Knochen, wie alle anderen Strukturen im Körper, ständigen Erneuerungs- und Umbauprozessen unterworfen sind.

Die Folgen asymmetrischer Knochen sind so ungünstig wie vielfältig:

  • Ungleichmäßige bzw. einseitig Nutzung der Gelenke (Gelenksetagen), was Krankheiten an den Gelenken begünstigt, wie z.B. Arthrose.
  • Die Sehnenansätze der tiefen Beugesehne am Hufbein werden ungleichmäßig belastet, was Probleme an den Sehnenansätzen und den Sehnen selbst hervorrufen kann.
  • Die Druckbelastung der tiefen Beugesehne auf das Strahlbein ist ebenfalls unregelmäßig, was den Bereich der Hufrolle ungünstig beeinflusst.

Die Huforthopädie kann, richtig angewandt, diese Umbauprozesse stoppen und im Idealfall auch zurückführen. Die Rückführung knöcherner Strukturen benötigt allerdings mindestens denselben Zeitraum, der nötig war, diese entstehen zu lassen. Ein wichtiger Punkt sind hierbei regelmäßige Hufbearbeitungstermine. Das Wiederherstellen symmetrischer Hufe ist damit das Fundament, um sich die Knochenbiomorphose zu nutzen zu machen.

Das gezeigte Beispiel zeigt sehr deutlich, wie sich eine unzureichende oder falsche Hufbearbeitung auswirken kann. Auch diesem Pferd konnte geholfen werden, jedoch wäre es wünschenswert gewesen, wenn bereits früher über eine Verbesserung der Hufsituation nachgedacht worden wäre. Daher kommt auch der Prophylaxe eine besondere Bedeutung zu. Umso früher ein Pferd huforthopädisch betreut wird, desto mehr trägt der Pferdebesitzer zur Gesunderhaltung seines Pferdes bei.

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