Huforthopädie - Was ist das?

Ganz allgemein gesprochen befasst sich die Orthopädie mit Erkrankungen und Fehlbildungen des Bewegungsapparates. Entstanden ist der Begriff bereits 1741 als er von dem Franzosen Nicolas Andry de Boisregard geschaffen wurde. Damals noch nur auf Menschen bezogen, findet er heute mit dem Begriff Huforthopädie ganz selbstverständlich auch bei Pferden Anwendung. Durch die Huforthopädie werden degenerative und pathologische Veränderungen an den Hufen bzw. der ganzen Gliedmaße verhindert bzw. korrigiert. Neben der Hufbearbeitung sind auch noch andere äußere Faktoren wichtig, die einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Erfolg der Behandlung haben. Doch dazu später mehr.

Korrekte Anwendung kann die Huforthopädie natürlich nur dann finden, wenn auch die Ursache und die Entstehung der Deformierungen erkannt und verstanden wurde. Sofern kein Geburtsfehler vorliegt sind die Fehlstellungen und Anomalien an den Hufen erworben. Die Faktoren, die dies beeinflussen sind vielfältig. Im folgenden sind dies:

  • Die individuelle Benutzung der Gliedmaße
  • die Untergründe und dem daraus mehr oder weniger stattfindendem Abrieb
  • die Hebel- und Druckkräfte, die den Huf bei der Lastaufnahme formen
  • das Beschlagen des Hufes, also die Konfrontation des Hufes mit Stahl an Stelle eines Abrieb fördernden Untergrundes
  • der Bewegungsablauf (Gangart) bzw. evtl. Bewegungsanomalien
  • die individuelle Hufform / Huftyp
  • Prädispositionen (genetisch bedingte Anfälligkeit)
  • der Stoffwechsel des Pferdes bzw. eine Erkrankung desselben

Die Folgen der genannten Faktoren zeigen sich an den Hufen u.a in Asymmetrien der Hufhälften, unterschiedlich schrägen Wänden, an unregelmäßig verlaufenden Kronrändern, Rissen/Spalten und vielem mehr. Werden diese Symptome richtig erkannt und interpretiert kann der Huforthopäde diese Vorgänge stoppen und im Idealfall auch zurückführen. Dabei passt er die Hufbearbeitung mittels Hornabriebsteuerung an den ungleichmäßig stattfindenden Hornabrieb an. Er sorgt somit dafür, dass sich der Huf bei jedem Schritt durch den nunmehr positiv beeinflussten Hornabrieb in die vom Hufbearbeiter gewünschte Stellung läuft. Die Vorteile dieser schonenenden und über einen längeren Zeitraum stattfindenden Korrektur sind offensichtlich.

  • keine negative Beeinflussung von Gelenken, Sehnen und Bändern
  • keine abrupte Stellungsänderung wie sie systembedingt bei jeder Beschlagserneuerung stattfindet

Neben der Hufbearbeitung kann der Pferdebesitzer durch eine einwandfreie Hufhygiene und entsprechende Untergründe den Genesungsprozess der Hufe positiv beeinflussen. Die Huforthopädie hat in den meisten Fällen einen direkten positiven Einfluss auf die am Huf wirkenden Kräfte. Noch wichtiger ist jedoch die langfristige Verbesserung der Hufsituation. Hier ist zu erwähnen, dass der nachwachsende Huf solange positiv  beeinflusst wird, solange auch die Bearbeitung ihre Wirkung entfalten kann. Verstreicht zu viel Zeit bis zur nächsten Bearbeitung verstärken sich die alten Tendenzen zunehmend und verhindern damit eine nachhaltige Verbesserung des deformierten Hufes. In der Praxis hat sich gezeigt, dass mit Intervallen von 4 Wochen die besten Ergebnisse erzielt werden. Bei besonders gravierenden Fehlstellungen oder Eisenabnahmen muss der Intervall individuell angepasst werden.

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