Projekt Beschreibung

Das Hufgeschwür

Hufgeschwüre können in vielen, unterschiedlich ausgeprägten Verläufen auftreten. Dieser Umstand und auch die sich teilweise stark unterscheidenden Symptome führen des Öfteren zu Fehldiagnosen mit entsprechend falscher Therapie.

Hufgeschwüre müssen nicht zwingend mit einer Lahmheit einhergehen

Eröffnetes Hufgeschwür / Austritt von Exsudat

Die allerdings oft auftretende starke Lahmheit führt in Kombination mit dem falschen Gebrauch der „Abtastzange“ zu Diagnosen wie z.B. Hufprellung, Huflederhautentzündung bis hin zu der sogenannten „Belastungsrehe“.
Diese Vermengung aller möglichen und unmöglichen Krankheiten führt oft zu einer immensen Verunsicherung des Pferdebesitzers und einer Therapie die nicht selten zu einer Verschlimmerung der Situation führt.

Doch auch wenn ein Hufgeschwür als solches richtig erkannt wurde unterscheiden sich die Vorgehensweisen bei Therapie und Nachsorge mitunter deutlich. Der Artikel soll dem Pferdebesitzer einen kleinen Überblick über die Ursachen und Vorgänge bei einem Hufgeschwür verschaffen.

Die Ursachen

Geschwürauslöser Fusobakterien

Hufgeschwüre werden von sogenannten Fusobakterien ausgelöst. Diese in der Darmflora des Pferdes vorkommende Bakterien werden mit den Pferdeäpfeln ausgeschieden und gelangen so auf die Hufoberfläche.
Steine oder Steinchen lösen keine Hufgeschwüre aus. Doch dazu später mehr.
Diese Fusobakterien siedeln sich bevorzugt im Bereich der „weichen Horne“ an, also am Strahl und am Hufbeinträger (Weisse Linie, die einen Teil des Hufbeinträgers bildet).

Wieso leiden manche Pferde ständig unter Hufgeschwüren und andere nicht?

Die hygienischen Bedingungen bei der Pferdehaltung spielen somit eine entscheidende Rolle. Umso geringer und unhygienischer der verfügbare Platz für das Pferd ist, desto größer ist die Gefahr dass die ständige Konfrontation mit Fäulnisbakterien zu einem Hufgeschwür führt.
Dennoch kommt es oft vor dass gleich gehaltene Pferde eine unterschiedliche Anfälligkeit für Hufgeschwüre zeigen. Hier kommt der vorliegenden Hufform eine immense Bedeutung zu.

Zu schräge Wände begünstigen Hufgeschwüre

Die Einflussnahme der Hufform und der Hufbeschaffenheit

Begünstigende Faktoren sind hier zu schräg stehende Wände die zu einer Verbreiterung des Hufbeinträgers führen. Hier können Bakterien zuhauf eindringen und sich ansiedeln. Entscheidend ist dass Fusobakterien anaerob leben, also unter Luftabschluss die besten Bedingungen zur Vermehrung vorfinden. Daher gehören auch Eckstreben die die Hufsohle überlagern zu den geschwürauslösenden Hufsituationen. Die Qualität des Hufhorns und das eventuelle Beschlagen des Pferdes spielen ebenso eine wichtige Rolle.
Damit sind lediglich vier mögliche Szenarien genannt. Eine individuelle Diagnose ist nur vor Ort oder unter Umständen durch Sichtung entsprechend angefertigter Fotos möglich.

Steine haben kein Potential Hufgeschwüre zu verursachen

Selbstverständlich setzen sich in einem verbreiterten Hufbeinträger neben den Fusobakterien auch kleine Steinchen fest. Dieser Umstand führte dazu, dass diese Steinchen bisweilen als Hufgeschwür auslösend eingestuft wurden.
Steine haben kein Potential Hufgeschwüre zu verursachen, hierbei sind immer Fusobakterien der entscheidende Faktor. Steine, Erde usw. können höchstens indirekt ein Hufgeschwür begünstigen indem sie bereits eingedrungene Bakterien überlagern und so durch Luftabschluss deren Vermehrung befördern.

Die Therapie

Grundsätzlich ist es anzustreben ein Hufgeschwür zu eröffnen, bzw. das Hufgeschwür aus dem Huf zu leiten. Je nach Lage kann es einige Tage dauern bis das Hufgeschwür „gereift“ ist und sich ein Eröffnen mitunter erübrigt, da sich das Hufgeschwür schon selbst einen Weg aus dem Huf geschaffen hat.
Diesen Prozess gilt es durch Anbringen eines Angussverbandes zu unterstützen. Das aufgeweichte Horn ermöglicht ein leichteres Durchbrechen des Geschwüres. Kontraindiziert ist die Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten, da sie den Verlauf hinauszögern und einen Verschleppen des Hufgeschwüres begünstigen.

Unterwanderte Eckstrebe

Bricht das Hufgeschwür nicht innerhalb einiger Tage durch sollte versucht werden mit Hilfe der Abtastzange das Geschwür zu lokalisieren und ggf. zu eröffnen. Die Lahmheit klingt damit meist schlagartig ab, da der Druck auf die betroffene Lederhaut direkt abnimmt.

Der Eröffnungsbereich sollte nicht dauerhaft zugedeckelt werden!

Leider ist es immer noch eine oft gängige Praxis eröffnete Hufgeschwüre mit einem Eisen abzudecken. Jeder, der schon einen Huf direkt nach einer Eisenabnahme betrachten durfte weiß wieviel Fäulnis sich unter einem Eisen bildet. Gerade nach einer Eröffnung mit einem mehr oder weniger großen Defekt im Huf sollte genau dies unbedingt vermieden werden.
Zielführend ist ein leichter Verband in Kombination mit einen Krankenschuh. Die Eröffnungsstelle bleibt zugänglich und kann auch durch den Pferdebesitzer versorgt werden. Ist kein weiterer Ausfluss aus dem Geschwürbereich zu erwarten kann auch auf den Verband verzichtet werden und z.Bsp. eine antibakterielle Paste eingebracht werden. Der tätige Hufbearbeiter sollte den Bereich fortwährend einer besonderen Kontrolle unterziehen um einen Rückfall oder ein erneutes Hufgeschwür zu vermeiden.

Wie schon erwähnt soll der Artikel einen kleinen Überblick zu diesem Thema verschaffen. Um eine genaue Diagnose abgeben zu können muss immer die konkret vorliegende Hufsituation individuell bewertet werden.

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